
Science Fiction · Dystopian & Post-Apocalyptic
Science FictionScience Fiction · Dystopian & Post-Apocalyptic
Die Greifer · Book 1
Übersetzt von Johannes Schmid
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THE STORY
In den Ruinen eines vom Krieg gezeichneten Londons beginnt ein tödliches Spiel. Rachel hat von ihrem Vater gelernt, immer die Fluchtwege zu kennen, immer die Routen zu berechnen – und vor allem: stets bereit zu sein, zu rennen. Denn wer sie jagt, hört niemals auf.
Nach außen hin wirkt Rachel wie eine ganz normale Ärztin, die versucht, im Chaos der Stadt zu überleben. Doch sie trägt ein Geheimnis in sich. Rachel ist eine Reacher – eine Frau mit telekinetischen Kräften, die sowohl von der Regierung als auch von der Unterwelt gnadenlos verfolgt wird. Währenddessen kämpfen Charlie und sein Bruder John, einst berühmt für das Unmögliche, ums Überleben. Verzweifelt nehmen sie den Auftrag eines skrupellosen Gangsters an – und stoßen dabei auf Rachel, eine von ihrer eigenen Art.
Auch James Roxton, Betrüger und Dieb, gerät in dieses Netz aus Jagd und Verrat. Auf der Suche nach der Wahrheit über einen Anschlag auf seine Mutter wird er in den Plan, Rachel zu entführen, hineingezogen – und erkennt darin seine eigene Chance. Doch in einer Welt voller gefährlicher Bündnisse und doppelter Absichten bleibt die Frage: Kann Rachel das Spiel wenden und sich selbst retten?
Get your copy →Fünf nach Elf.
Rachel‘s Schicht hätte schon vor drei Stunden vorbei sein sollen. Sie schob ihre Stempelkarte in das Lesegerät. Nichts. Sie trat dagegen, dann nochmals, bis die Schranke sich öffnete, die Karte ausgegeben wurde und sie Feierabend machen konnte. Im Umkleideraum des Krankenhauses war es ungewöhnlich still. Eine Krankenschwester stempelte gerade aus, zwei Ärzte begannen ihre Schicht. Sie sprachen nicht miteinander, das war hier normal. Sie nahm ihren abgetragenen Mantel aus dem Spind und zog ihn über ihren Arztkittel. Nur er und ihr Mantel trennten sie von der eiskalten Oktobernacht. Sie lief durch den Wartesaal der Notaufnahme, die Augen auf den Ausgang gerichtet. Nur nicht verzweifeln. Eine zwölfstündige Schicht und drei Überstunden. Sie musste so tun, als wäre es ihr egal. Vorbei an den Müttern, die ihre kranken Kinder brachten, als könne man ihnen nur die Hand auflegen und alles wäre wieder gut. Vorbei an den Fabrikarbeitern, deren Blut auf den Gang tropfte. Die Tür aufgemacht und endlich raus. Nichts wie ab nach Hause. Das war jetzt nötig. In sechs Stunden würde alles von vorne beginnen.
Der erste kalte Windhauch flößte ihrem schmerzerfüllten Körper wieder Leben ein. Der zweite Windhauch stieß sie fast wieder hinein. Sie schlang den Mantel enger um die Hüften, aber der eisige Wind kam dennoch durch den dünnen Stoff und die losen Nähte. Der November nahte schnellen Schrittes. Sie lief nun schneller, versuchte dem Winter davonzulaufen.
Vorbei an der Ruine einer weiteren bankrotten Bank, einem Relikt aus Tagen, bevor die Wirtschaft zusammenbrach und das Land im Chaos versank. Nun beherbergte dieses Gebäude Obdachlose: Diejenigen, die entweder zu alt, zu jung, zu schwach oder nicht intelligent genug waren. Schon bald kämen die Polizisten und würden sie verjagen. Sie würden die Obdachlosen entweder jagen, bis der Morgen dämmerte, oder so lange, bis sie tot umfallen würden, was halt zuerst kam. Für den Augenblick jedoch, kauerten sie um brennende Kanister und nahmen still die Wärme in sich auf, so als könnten sie diese eine Flamme den ganzen Winter behalten. Sie bemerkten Rachel nicht. Selbst die bösesten Männer, die im Gang lauerten und darauf warteten, dass hilflose Menschen vorbeikamen, übersahen die junge Ärztin, als sie sich auf den Heimweg machte. Niemand hat sie je wahrgenommen. Zumindest nicht bewusst.
Drei, zwei, eins.
Neun Minuten nach Elf. Wie gerufen.
Ihr war so, als beobachte sie jemand. Er war immer an der gleichen Stelle, am dritten Fenster des alten Bankgebäudes. Er versteckte sich nicht in der Bank, aber in der Nähe. Er war ihr so nahe, dass sie fast seinen Atem im Nacken spüren konnte. Sie war schon Zeugin von Überfällen gewesen. Das waren schlimme Zeiten und die Menschen nahmen sich was sie konnten, wenn sich die Gelegenheit bot. Es gab auch Vergewaltigungen. Diese Woche waren es fünf, zumindest mussten fünf medizinisch versorgt werden. Die Stadt war gefährlich und wurde immer gefährlicher. Dies aber war etwas anderes. Er, und aus irgendeinem Grund wusste sie, dass es ein Er war, tat nichts. Seit einer Woche kam er immer wieder hierher. Er verriet nie, wo er wirklich war oder was er vorhatte. Sie jedoch spürte, dass er da war und je länger er wartete, desto mehr litt sie. Er wusste, wo sie wohnte, wo sie arbeitete, kannte den Weg, den sie zur Umkleidekabine nahm. Und er folgte ihr jeden Abend nach Hause, ohne dass sie ihn je zu Gesicht bekam. Es machte einfach keinen Sinn. Und das machte es umso schlimmer.
Sie war nicht leicht aus der Ruhe zu bringen, denn Ärzten im St. Mary‘s Krankenhaus durfte das nicht passieren. Es war egal, dass sie nur 1,50 m groß war und so aussah, als könne sie ein starker Wind umpusten, sie konnte dennoch gut selbst auf sich aufpassen. Aber dieser Stalker machte ihr Angst. Sie hatte schlaflose Nächte, in denen sie sich fragte, wer er wohl sei und was er wollte. Ob ihm das bewusst war?
In der Stadt konnte sie nirgends hin, hatte kein Versteck und keine Fluchtmöglichkeit. Wollte sie leben, so musste sie arbeiten, er aber würde draußen vor dem Krankenhaus auf sie warten, sie beobachten, nichts tun. Sie hatte genug davon und einfach von allem hatte sie genug. Aber sie konnte etwas unternehmen. Sie konnte machen, dass es aufhörte. Irgendwie. Was auch immer er vorhatte oder ihr antun wollte, er müsste ihr dabei in die Augen sehen. Sie war es leid abzuhauen.
L.E. Fitzpatrick

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